Schwarzes Kreuz

Ursprünglich schmückte diesen Standort bis zum Ende des 2. Weltkrieges ein schlichtes schwarzes Holzkreuz, dessen Entstehung eine ganz besondere Legende zugrunde liegt. 

Die Legende „Das schwarze Kreuz“, 1980 verfasst von Bernhard Johann Raab (von 1974 bis 1984 Ortsvorsteher in Bliesmengen-Bolchen).

„Am schwarze Kritz“ (Kreuz), das ist die landläufige Bezeichnung der Stelle in Bliesmengen-Bolchen, wo die Straßen „Im Oberen Mengen“, „Am Höllenberg“ und „Waldweg“ sich treffen. Dort stand bis zum Ende des 2. Weltkrieges ein schwarzes Holzkreuz, von dem der Volksmund folgendes zu erzählen weiß.

Das Schwarze Kreuz im Setzungsjahr 1983
Das Schwarze Kreuz im Setzungsjahr 1983

Vor vielen hundert Jahren lebte in Bliesmengen ein Rittergeschlecht, das sich „Herren von Mengen“ nannte und auf der Wasserburg an der Blies residierte. Auf der anderen Seite der Blies, in dem nur 2 km entfernten Frauenberg, wohnte ein weiteres Rittergeschlecht: „Die Herren von der Frauenburg“. Zwischen beiden Familien gab es im Laufe der Zeiten immer wieder Berührungspunkte. Der Weg von der Menger Wasserburg zur Frauenburg führte am Lohbach vorbei über das „Höllengäßchen“ durch die „Entenwiese“ bei Habkirchen bis zur Blies, wo sich schon damals eine Brücke befand. Eines Tages trug es sich zu, dass die beiden Söhne des Ritters von Mengen bei einem Besuch auf der Frauenburg das bildhübsche Töchterchen des Frauenburgers kennenlernten, und sie verliebten sich beide Hals über Kopf in das schöne Kind. Das Burgfräulein erwiderte die Liebe des älteren der beiden Brüder und reichte ihm die Hand fürs Leben. Mit großem Pomp wurde Hochzeit gefeiert. Aber beim festlichen Turnier im Herrenfeld musste man feststellen, dass der jüngere Bruder fehlte. Dieser war voller Hass im Herzen zum Wald geritten und verzehrte sich in Rachegedanken. Sein Bruder versuchte vergeblich, ihn durch gutes Zureden zu versöhnen. Eines Tages kehrte der ältere müde von der Jagd aus Frauenberg zurück. Am Lohbach, der am Fuße des Höllenbergs über einen Kalkfelsen munter zu Tal stürzte, legte er sich unter den alten Eichenbaum, um sich zu kühlen und auszuruhen. Bald schlief er vor Müdigkeit ein.

Zur gleichen Zeit war der jüngere Ritterssohn in Richtung Heuwiese unterwegs, kam an derselben Stelle vorbei und fand den schlafenden Bruder. Der alte unbändige Hass gegen ihn, der ihm sein erhofftes Glück zerstört hatte, stieg wieder jäh in ihm auf. Er hob seinen Speer und stieß ihn mit wilder Wut dem Bruder in die Brust – mitten ins Herz.

Im gleichen Augenblick kehrte auch sein klares Bewusstsein wieder, er erschrak über seine Tat und ritt, ohne noch einmal zur Burg zurückzukehren, in die Fremde, ruhelos von Ort zu Ort, immer mit dem angstvollen Gefühl, vom Bruder verfolgt zu sein.

Der Tote wurde am Ort der Tat feierlich beigesetzt und ihm der Speer, die Mordwaffe, zur Seite gelegt. Die junge Witwe kehrte zu ihrer Familie in die Frauenburg zurück, und fortan waren beide Ritter bittere Feinde. Zum Gedenken an den Meuchelmord ließ der Frauenburger ein schwarzes Holzkreuz über dem Grab errichten.

Nach vielen Jahren, als in der Gegend schon niemand mehr an den Brudermord dachte, hörten die Leute vom Oberen Mengen während einer stürmischen Nacht in der Allerseelen - Zeit einen fürchterlichen Schrei, der vom schwarzen Kreuz herüber schallte. Am folgenden Morgen fanden sie dort die Leiche des Brudermörders mit einem rostigen Speer in der Brust. Es war der gleiche Speer, mit dem er vor vielen Jahren seinen Bruder aus Eifersucht getötet hatte. Niemand weiß, wie es geschehen war. Viele glaubten, der Geist des Bruders habe späte Rache geübt.“

Soweit die Legende.

Heute steht wiederum ein schwarzes Kreuz in der Nähe der Stelle, wo die ruchlose Tat geschah. Besagtes Bächlein ist allerdings nicht mehr zu sehen. Es fiel nach dem 2. Weltkrieg der Kanalisation zum Opfer. Die beiden damaligen Burgen der Ritter von Mengen (an der Blies nahe des heutigen Fußballplatzes) und Frauenburg (oberhalb der lothringischen Gemeinde Frauenberg), schon seit Jahrhunderten zerstört, sind heute überbaut oder als Ruine vorhanden und somit stumme Zeugen von glücklichen, aber auch von schicksalsschweren Tagen der Bliesmenger-Bolcher Ritterzeit.

Im Jahre 1983 taten sich einige Bürger aus Bliesmengen-Bolchen zusammen, fest entschlossen, das verschwundene schwarze Kreuz durch ein neues zu ersetzen. Es wurde von einigen Handwerkern aus dem Ort entworfen, gefertigt und an der Stelle des Vorgängerkreuzes mit zwei Metallbändern im Betonfundament aufgestellt. Der Hobby-Schnitzer Julius Schweißthal schuf den Holzkorpus, der Schreinermeister Josef Klingler fertigte das Holzkreuz, der Schmied Willi Mich war für die Metallarbeiten zuständig, und der Malermeister Friedolin Blum führte die Malerarbeiten aus.

Inzwischen hat das Kreuz wieder einen festen Platz und mehrere Instandsetzungsarbeiten hinter sich.

Text: Verein für Dorfgeschichte Bliesmengen-Bolchen e. V., Bernhard Raab
Foto: Dominic Piro, A. Schetting/Verein für Dorfgeschichte Bliesmengen-Bolchen e. V.